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DEUTSCHER DIABETIKER BUND
Landesverband Sachsen e.V.
Leipziger Erklärung

des Deutschen Diabetiker Bundes,
Landesverband Sachen e. V.
vom 1. April 2006

Die Gesundheitspolitik in Deutschland hat in den vergangenen Jahren zu einer erheblichen Verschlechterung der Patientenversorgung geführt.

  • Medikamente müssen häufiger von den Patienten selbst bezahlt werden. (z. B. Alpha-Liponsäure)
  • Patienten kommen nur über ihren Hausarzt zum Facharzt (Diabetologen), das bedeutet viel Fahrzeit (ausgedünnte öffentliche Verkehrsmittel) und mehr Wartezeit bei den Ärzten.
  • Der Arzt erklärt dem Patienten, warum er Medikamente nicht mehr verschreiben kann und weshalb er mehr Formulare ausfüllen muss.
  • Die rein medizinische Untersuchung ist sehr kurz.

Die ständigen öffentlichen Äußerungen von „Gesundheitsökonomen“ und anderen sogenannten „Fachleuten“ verunsichern und belasten die chronisch kranken Menschen, die oft zu den unterprivilegierten Schichten gehören und erhöhte finanzielle Kosten nicht tragen können.

  • Für Rückfragen und Beschwerden ist wieder viel Fahrzeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Wartezeiten bei Geschäftsstellen der Krankenkassen notwendig.
  • Die kaum von medizinischer Sachkenntnis geprägten, lauthals geführten Diskussionen über die Nützlichkeit von Insulinanaloga und Blutzuckerteststreifen für Typ-2-Diabetiker gehen bei vielen Menschen mit Diabetes an die Substanz.
  • Was uns unsere Ärzte jahrelang verordnet haben, wird von selbsternannten, mit wenig Sachkunde diskutierenden „Experten“ in Frage gestellt.
  • Viele Patienten denken darüber nach, eingedenk der schlechten Erfahrungen in der jüngsten Vergangenheit: Wie soll das nur enden? Was kann man tun?

Zu diesem Zeitpunkt hören wir von dem sogenannten „Arzneimittelversorgungs- Wirtschaftlichkeitsgesetz“, welches im Bundestag verabschiedet wurde. Dieses „Arzneimittelrationierungs-Krankenkassenfinanzierungs-Gesetz“ ist nun wirklich der Gipfel bisheriger sogenannter „Reformbemühungen“ der letzten Bundesregierungen.

Auch dieses Gesetz wird die Ausgaben im Arzneimittelsektor nicht begrenzen. Der Kostenanstieg ist durch Gesetze, den Anstieg der Arzneimittelpreise (in Deutschland die höchsten in Europa) und durch neue innovative Arzneimittel, also durch die Bundesregierung selbst, verursacht worden.

  • Das sogenannte „Bonus-Malus-System“ untergräbt langfristig das Patient-Arzt-Verhältnis.
  • Das „Bonus-Malus-System“ führt zur weiteren Rationierung der medizinischen Versorgung chronisch kranker und behinderter Patienten.
  • Durch dieses „Bonus-Malus-System“ wird die Finanzierung des Gesundheitssystems
  • nicht gesichert. Durch die Rationierung der medizinischen Versorgung werden die Folgeerkrankungen zunehmen, die Ausgaben steigen weiter und mehr Menschen sterben früher.

Dieses Gesetz darf nicht in Kraft treten.

Wir Menschen mit Diabetes in Sachsen fordern:

  • Sicherung des sich langfristig entwickelten Patient-Arzt-Verhältnisses,
  • Sicherung und Auswahl einer wohnortnahen medizinischen Versorgung (Polikliniken, Ärztehäuser),
  • Sicherung der freien Arztwahl,
  • Sicherung der Versorgung der Patienten,
  • Planungssicherheit für die Ärzte,

letztlich:

  • Sicherung einer patientenorientierten und individuellen Versorgungsstruktur.

Grundlage für den Erfolg einer Reform muss die Qualität der erbrachten Leistung sein. Darauf müssen sich bei künftigen Reformvorhaben die Vertreter der Leistungserbringer gemeinsam mit Vertretern der Patienten orientieren. Treten ökonomische Gesichtspunkte, weiter wie bisher, in den Vordergrund, dann führt das zur Rationierung medizinischer Versorgung zum niedrigsten Preis (weniger Betreuung, vorzeitiger Tod der Patienten).

Mit dieser „Leipziger Erklärung“ anlässlich unseres 8. Sächsischen Diabetiker Tages solidarisieren wir uns mit der „Resolution der Sächsischen Landesärztekammer“ und der „Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen“ vom 8. März 2006.

Leipzig, 1. April 2006

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